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Die Sprache der Verlorenen: Warum Einsamkeit bissig macht

  • Autorenbild: Uta Lewien-Schmidt
    Uta Lewien-Schmidt
  • 22. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Manchmal sind die Hunde, die die Welt anknurren, nicht voller Hass. Sie warten nur darauf, dass jemand ihre Sprache spricht.


Ich habe diesen Satz oft gehört. Er soll uns Geduld mit Tieren lehren. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto weniger sehe ich den Hund vor mir. Ich sehe Menschen.

Ich sehe den Kollegen, der nur noch zynische Kommentare abgibt. Ich sehe den Nachbarn, der wegen Kleinigkeiten explodiert. Ich sehe Menschen, von denen wir sagen, sie seien „schwierig“ geworden.

Aber vielleicht sind sie nicht schwierig. Vielleicht sind sie nur verloren gegangen.


Wenn dasIchunsichtbar wird

Es gibt ein menschliches Grundbedürfnis, das genauso wichtig ist wie Nahrung oder Schlaf: Das Bedürfnis, gebraucht zu werden. Wir wollen gesehen werden. Wir wollen wissen, dass es einen Unterschied macht, ob wir morgens aufstehen oder nicht.


Aber was passiert, wenn dieses Gefühl verschwindet?


Wenn man sich unverstanden fühlt, Tag für Tag. Wenn die Welt sich weiterdreht und man das schleichende Gefühl hat, an den Rand gedrängt zu werden. Nicht mehr relevant zu sein. Nicht mehr gehört zu werden.

Das ist der Moment, in dem ein Mensch beginnt, sich selbst zu verlieren. Das Vertrauen in die Gruppe schwindet, aber schlimmer noch: Das Vertrauen in den eigenen Wert zerbricht.


Der Schutzwall aus Zähnen

Traurigkeit macht verletzlich. Wer zugibt: „Ich fühle mich einsam“ oder „Ich habe Angst, dass mich niemand braucht“, der öffnet seine Deckung.

Aber Wut? Wut ist eine Rüstung.


Wenn Menschen sich in die Ecke gedrängt fühlen, verwandelt sich der Schmerz in Härte.


​🔸️Die Enttäuschung wird zum Zynismus.

​🔸️Die Unsicherheit wird zur Lautstärke.

​🔸️Die Angst wird zum Angriff.


​Wir werden bissig, nicht weil wir böse sind. Sondern weil das „Beißen“ der letzte verzweifelte Versuch ist, überhaupt noch eine Reaktion zu erzwingen. Es ist besser, angebrüllt zu werden, als ignoriert zu werden. Aggression ist oft nichts anderes als der ungelenke Schrei nach Kontakt von jemandem, der vergessen hat, wie man sanft fragt.


Die verlorene Sprache

Wenn wir jemanden sehen, derum sich beißt“, ist unser erster Impuls, zurückzuschlagen oder wegzugehen. Wir verurteilen das Verhalten. Wir nennen es toxisch oder unmöglich.

Aber vielleicht müssen wir genauer hinsehen.

Hinter den gefletschten Zähnen eines Menschen, der das Vertrauen verloren hat, sitzt oft jemand, der wartet. Jemand, der darauf wartet, dass einer kommt und nicht zurück beißt. Sondern die Sprache spricht, die er verlernt hat.


​Die Sprache der Akzeptanz.

Ein einfaches „Ich sehe dich“.

Ein „Du bist wichtig“.


Fazit

Vielleicht sollten wir aufhören, das Knurren persönlich zu nehmen. Ob bei Tieren oder bei Menschen. Stattdessen sollten wir uns fragen: Welcher Schmerz ist so groß, dass er sich nur noch durch Zähne zeigen kann?

Niemand geht verloren, solange es einen Menschen gibt, der bereit ist, ihn zu suchen.


„Kennst du diesen Moment, in dem man aus Hilflosigkeit wütend wird, statt zu sagen, was man wirklich fühlt?“


Bild Quelle:Adobe Stock lizensiert

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