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Das Rathaus als Unternehmen ohne Zukunftsabteilung

  • Autorenbild: Uta Lewien-Schmidt
    Uta Lewien-Schmidt
  • vor 16 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Stunden


​„Demografie hat nichts mit dem Lesen in der Glaskugel zu tun... die Alten von morgen sind nämlich schon heute geboren.“

​Diesen Satz eines Statistikers habe ich während meiner Zeit im Demografieprojekt in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung immer wieder gehört. Er ist so entwaffnend logisch, dass man meinen müsste, jedes Rathaus in Deutschland würde seine Strategie danach ausrichten. Doch die Realität sieht oft anders aus.


Die Gewissheit des Gletschers

Der demografische Wandel ist kein plötzliches Ereignis wie eine Pandemie oder eine Wirtschaftskrise. Er ist wie ein Gletscher: Man sieht ihn kommen, er bewegt sich langsam, aber er ist unaufhaltsam und zermalmt alles, was ihm im Weg steht, wenn man nicht rechtzeitig ausweicht.

​Das Absurde daran? Wir wissen heute auf das Jahr genau, wie viele Menschen in 20 Jahren in Rente gehen werden. Im Übrigen haben wir auch schon seit mehreren Jahrzehnten gewusst, dass auch die Babyboomer in den verdienten Ruhestand gehen werden. Wir wissen, wie viele Kinder in fünf Jahren einen Schulplatz brauchen. Wir haben keine Wissenslücke – wir haben eine Handlungslücke.


Das Struktur-Problem: Silos statt Strategie

Warum agieren viele Kommunen wie ein Unternehmen ohne Zukunftsabteilung?

In meiner Arbeit habe ich festgestellt, dass das Wissen meist in den Fachämtern versickert. Die Gewaltenteilung im Rathaus führt zu einer gefährlichen Fragmentierung:

​Das Bauamt plant neue Wohngebiete, als gäbe es kein Morgen.

​Das Sozialamt verwaltet die explodierenden Kosten für die Pflege.

​Das Personalamt wundert sich, warum keine Bewerbungen mehr auf den Tisch flattern.

​Was fehlt, ist die strategische Klammer. Es gibt kaum Orte in der klassischen Verwaltungshierarchie, an denen diese Fäden zusammenlaufen, um ein Gesamtbild zu zeichnen. Wer steuert das Schiff, wenn alle nur damit beschäftigt sind, die Kohlen in den Ofen zu schaufeln?


Warum „Aussitzen“ zur teuersten Option wird


Viele Entscheidungsträger hoffen, dass die großen Einschläge erst nach ihrer Amtszeit kommen. Doch diese Rechnung geht nicht mehr auf. Die Folgen der Ignoranz sind bereits heute spürbar:

​Investitionsruinen (Stranded Assets): Wir bauen heute Infrastrukturen, die wir in 15 Jahren teuer zurückbauen oder unterhalten müssen, obwohl niemand sie mehr nutzt. Oder wir haben in der Vergangenheit gebaut...und können nicht loslassen...Umnutzung???

​Der kommunale Burnout: Wenn Stellen nicht nachbesetzt werden können, bricht der Service zusammen. Baugenehmigungen dauern Jahre, die Wirtschaft wandert ab – eine Abwärtsspirale beginnt.

​Finanzielle Starre: Weniger Beitragszahler bei gleichzeitig steigenden Fixkosten für ein marodes Kanal- oder Straßennetz. Das ist Mathematik, keine Magie.


Zeit für ein Update: Vom Verwalter zum Gestalter

Wir müssen aufhören, Demografie als „Nischenthema“ für Sonntagsreden zu behandeln. Wenn ein Unternehmen seine Absatzmärkte der nächsten 20 Jahre so genau kennen würde wie wir unsere Bevölkerungsstruktur, würde es seine gesamte Produktion umstellen.

​Was wir brauchen:

​Stabsstellen für strategische Steuerung: Demografie muss direkt beim Bürgermeister angesiedelt sein – mit Durchgriffsrecht in alle Ämter.

​Ehrliches Benchmarking: Wir müssen uns mit anderen Kommunen vergleichen und aus deren Fehlern (und Erfolgen) lernen.

​Mut zur Lücke: Wir müssen auch über den Rückbau oder die Umnutzung von Gebäuden sprechen, bevor sie zu Geisterhäusern werden.


Fazit

Wir haben die Daten. Wir haben die Netzwerke. Was uns fehlt, ist die Einsicht, dass das „Weiter so“ die teuerste aller Optionen ist. Es wird Zeit, dass das Rathaus seine Zukunftsabteilung eröffnet. Bevor die Zukunft uns schließt.


Bildquelle:Adobe Stock von Santri

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