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Wenn Spatzen mehr Glück haben als wir: Ein nachdenklicher Samstagsgruß

  • Autorenbild: Uta Lewien-Schmidt
    Uta Lewien-Schmidt
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag


Ein kleiner, freundlicher Gruß zum Samstag an euch alle. Der Blick in den Garten heute Morgen schenkt eigentlich reine Freude:

Die ersten Schneeglöckchen brechen tapfer durch das dunkle Laub und kündigen das Ende des Winters an. Und oben auf dem Dach? Da herrscht bei leichtem Sonnenschein schon reges Treiben. Unsere Gartenvögel sind – gefühlt mit dem Immobilienmakler im Schlepptau – bereits fleißig auf Wohnungssuche in unserer Hecke.

​Sie inspizieren, diskutieren und sichern sich die besten Plätze. Diese kleinen Kerle sind clever: Sie sind früh dran, planen voraus und – das ist der entscheidende Punkt – sie finden noch Platz.


​Doch während ich den Spatzen zusehe, bleibt mir das Lachen kurz im Halse stecken.

​Denn was für die Vögel ein natürlicher Instinkt ist, wird für uns Menschen hier in Hessen zunehmend zur Unmöglichkeit.


Die Spatzen finden ihre Nische, sie finden einen "bezahlbaren" Zweig. Aber wir?

​Ein Blick auf die aktuelle Pestel-Studie holt einen schnell auf den Boden der Tatsachen


Die harten Fakten zur Wohnungsnot in Hessen:

  • Das Rekord-Defizit: Wie erwähnt, fehlen in Hessen aktuell rund 86.000 Wohnungen. Das ist der höchste Stand seit Jahrzehnten. Besonders im Rhein-Main-Gebiet ist der Markt quasi leergefegt.

  • Einbruch beim Neubau: Der Wohnungsbau ist regelrecht eingebrochen. Hohe Zinsen und gestiegene Materialkosten haben dazu geführt, dass viele Projekte storniert wurden. Das Ziel der Bundesregierung (400.000 Wohnungen deutschlandweit) wurde auch in Hessen meilenweit verfehlt.

  • Sozialwohnungen am Boden: Besonders dramatisch ist die Lage im sozialen Wohnungsbau. Jedes Jahr fallen tausende Wohnungen aus der sogenannten "Sozialbindung" (werden also wieder teurer), während kaum neue nachgebaut werden. Für Menschen mit geringem Einkommen gibt es faktisch kaum noch Angebote.

  • Die "Miet-Explosion": Da kaum gebaut wird, steigen die Mieten im Bestand weiter an. Wer heute in eine neue Wohnung ziehen muss, zahlt oft 20–30 % mehr als noch vor drei Jahren.

  • Unbezahlbarer Neubau: Das Pestel-Institut rechnet vor: Um heute kostendeckend neu zu bauen, müssten Vermieter eine Kaltmiete von oft über 18 bis 20 Euro pro Quadratmeter verlangen. Das ist für die breite Mittelschicht schlichtweg nicht mehr bezahlbar.zurück. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist alarmierend.



Besonders hier in Hessen haben wir kaum noch eine Chance auf bezahlbaren Wohnraum. Was für die Vögel selbstverständlich ist – ein sicheres Nest zu finden –, wird für Normalverdiener, Familien und Rentner zum fast aussichtslosen Kampf gegen Mangel und Preisexplosionen.


​Die Vögel machen es uns vor: Sie kümmern sich rechtzeitig. Aber wir Menschen scheitern nicht am Willen oder am "frühen Aufstehen", sondern an den strukturellen Fehlern, die Studien wie die des Pestel-Instituts glasklar benennen. Es fehlt an allen Ecken und Enden an sozialem und bezahlbarem Wohnraum.

​Dieses Bild aus dem Garten ist also heute nicht nur niedlich, es ist eine kleine Mahnung.

​Wir sollten uns an der Natur erfreuen, ja. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass das Grundbedürfnis nach einem "eigenen Nest" für viele Menschen gerade zu einem Luxusgut verkommt. Es wäre schön, wenn die Politik sich eine Scheibe von der Effizienz unserer Spatzen abschneiden würde – damit "Wohnen" wieder ein Grundrecht und kein Privileg für wenige bleibt.

​Genießt trotzdem die Sonne und die ersten Frühlingsboten – vielleicht mit einem wacheren Blick für das, was um uns herum passiert.


Hier kommt der Link zu den traurigen Fakten...

Mieterbund Hessen: Rekordhoch beim Wohnungsdefizit.




​Einen schönen Samstag! 🌿🐦🏠


 
 
 

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